Am Rand / Grenzgänger

Wir stehen am Rand und niemand schaut nach unten.
Wir haben andere Hautfarben, ein anderes Geschlecht. Wir sind groß oder klein, dick oder dünn. Wir sind mutig oder voller Furcht, Manche haben Geld und manche haben keines. Wir sind alles und viel mehr, nur nicht gleich. Wir denken unterschiedliche Gedanken und trotzdem träumen wir von denselben Dingen. Wir suchen Unterschiede, obwohl wir alle gleich sind. Irgendwie.

Wir stehen am Rand und niemand schaut nach unten.
Wir wollen besser, stärker, erfolgreicher sein als die anderen und erkennen nicht, dass es ohne den Verlierer auch keinen Gewinner geben kann. Wir wollen anders sein und uns von der Masse abheben. Wollen Teil von etwas Ganzem sein, doch nicht einsehen, dass wir gleich sind. Wir hassen uns, nur um uns später zu sagen, wie sehr wir uns lieben. Wir sehnen uns nach anderen, doch bleiben lieber Einzelkämpfer.

Wir stehen am Rand und niemand schaut nach unten.
Wir greifen zu den Waffen, um den Frieden zu finden. Wir wählen den Hass, um der Liebe eine Chance zu geben. Wir bauen Mauern und wundern uns, warum wir allein sind. Wir wollen Gleichberechtigung, und stellen die einen über die anderen.

Wir stehen am Rand und niemand schaut nach unten.

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